ESOC – Europäisches Satellitenkontrollzentrum Darmstadt

Aus Rhein-Main-Wiki - Das Online-Lexikon für Rhein-Main

Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Kürzel ESOC steht für European Space Operations Centre und bezeichnet das Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Der Hauptsitz des ESOC ist in Darmstadt.

Das Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt ist eines von insgesamt zwei Zentren der ESA in Deutschland. Das zweite ist das europäische Astronautenzentrum EAC (European Astronauts Centre) in Köln. Seine Aufgabe besteht darin, Astronauten für künftige Missionen im Weltraum zu trainieren. Weitere Zentren der ESA sind in Noordwijk in den Niederlanden, hier sitzt das europäische Weltraumforschungs- und -technologiezentrum ESTEC (European Space Research and Technology Centre), in Frascati bei Rom in Italien, hier sitzt das europäische Raumfahrtforschungsinstitut ESRIN (European Space Research Institute) und in Villafranca in Spanien, hier sitzt das europäischen Weltraum-Astronomiezentrum ESAC (European Space Astronomy Centre). Die Zentrale der ESA hat ihren Sitz in der französischen Hauptstadt Paris.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Das ESOC in Darmstadt

Das ESOC in Darmstadt wurde am 8. September 1967 eröffnet. Seitdem ist es für den Betrieb sämtlicher Satelliten der ESA verantwortlich, ebenso für die dazu notwendigen Bodenstationen und das dafür erforderliche Kommunikationsnetzwerk.

Das ESOC ist nach eigenen Angaben in der Lage, bis zu zehn Satelliten im Routinebetrieb gleichzeitig zu betreuen und dazu noch weitere Satelliten in ihrer frühen Startphase zu kontrollieren oder Rettungsaktionen zur Sicherung von Satelliten durchzuführen. In dieser Hinsicht hat das Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt bislang (Stand: März 2009) über 50 Satelliten der ESA operationell betreut, darunter bekannte Missionen wie „Mars Express” und „Rosetta”. Daneben hat das ESOC auch zahlreiche Missionen anderer nationaler und internationaler Organisationen unterstützt.

[bearbeiten] Einzelne Aufgabenbereiche des ESOC in Darmstadt

Das ESOC steuert nicht nur ein weltweites Netz von Bodenkontrollstationen zur Überwachung von Weltraummissionen, es ist auch ein Kontrollzentrum zur Steuerung von Satelliten, bis sie ihre endgültige Umlaufbahn erreicht haben. Daneben ist das ESOC aber auch schon weit im Vorfeld einer Weltraummission tätig, es berechnet die möglichen Flugbahnen eines Satelliten und arbeitet in dieser Hinsicht mit dem jeweiligen Industriekonsortium zusammen, das den Satelliten baut (s.u.).

[bearbeiten] Bodenstationen

Zum Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt gehört auch ESTRACK (ESA tracking stations), die Steuerungszentrale eines weltweiten Netzes von Bodenstationen. Zu dem Netz gehören fünf große Mehrzweck-Stationen mit 15m-Antennen in Kourou (Französisch-Guayana), Perth (Australien), Redu (Belgien) sowie Maspalomas und Villafranca in Spanien und eine polare Station in Kiruna (Schweden). Hinzu kommen zwei Stationen mit 35m-Antennen, eine in New Norcia (Australien) und Cebreros in Spanien, die vor allem zu Unterstützung der interplanetaren Missionen der ESA benötigt werden.

[bearbeiten] Kontrollzentrum

Der Hauptkontrollraum des ESOC übernimmt die Steuerung eines Satelliten unmittelbar nach dessen Trennung von der Trägerrakete. Die Spezialisten des Satellitenkontrollzentrums führen alle Manöver durch, die notwendig sind, um den Satelliten in seine endgültige Umlaufbahn zu bringen. Sobald dies erfolgt ist, wird die Kontrolle über den Satelliten von einem speziellen Nebenkontrollraum übernommen.

[bearbeiten] Flugdynamik und Missionsanalyse

Das ESOC beschäftigt Spezialisten für die Flugdynamik eines Satelliten. Sie bestimmen die Flugbahn eines Satelliten und übernehmen auch dessen Steuerung im Weltall. Ihr Aufgabengebiet umfasst aber auch die Missionsanalyse in der frühen Planungsphase einer Mission. Hierzu zählen die Auswahl der optimalen Umlaufbahn, die Wahl der Trägerrakete, die Nutzung der Bodenstationen und die Planung komplexer Manöver im All. Diese Aspekte werden vom ESOC weit im Vorfeld einer Mission in Betracht gezogen, da sie wichtige Informationen für das Industriekonsortium liefern, das den jeweiligen Satelliten baut, da das Satellitendesign sehr davon abhängt, welche Flugbahn und welches Betriebskonzept für den Satelliten vorgesehen sind.

[bearbeiten] Die Earth Explorer-Reihe

In das Erderkundungsprogramm „Living Planet” der ESA ist das ESOC mit der Earth Explorer-Reihe eingebunden. Dabei handelt es sich um eine geplante Serie von Satelliten der Europäischen Weltraumagentur, die Daten über die in den Ozeanen und auf dem Festland ablaufenden Prozesse liefern sowie neue Erkenntnisse globaler Umweltveränderungen gewinnen sollen. Insgesamt soll die Serie aus sechs Satelliten bestehen, die bis in das Jahr 2013 ins All geschossen werden sollen.

[bearbeiten] GOCE

Als erster Satellit der Reihe Earth Explorer ist am 17. März GOCE (Gravity field and steady-state Ocean Circulation Explorer) vom Weltraumbahnhof Plesetsk in Nordrussland mit einer russischen Rockot-Trägerrakete ins All gestartet. Im Rahmen der Missionsanalyse ist das ESOC jedoch schon seit dem Jahr 2000 in diese Mission involviert.

Der mit hochsensiblen Messgeräten ausgestattete GOCE-Satellit soll das Schwerefeld der Erde in einer bis dahin unerreichten Detailgenauigkeit vermessen. Ziel der Mission ist es, eine exakte Karte des Erdschwerefeldes zu erstellen. Die durch GOCE gewonnenen Daten sollen aber auch der Klimaforschung zugute kommen. Mit der auf 20 Monate angelegten Mission sollen Erkenntnisse über die Zirkulation der Ozeane und die Veränderung des Meeresspiegel gewonnen werden. Die Messdaten sollen aber auch für andere wissenschaftliche Zwecke genutzt werden, unter anderem soll die Abschätzung von Dicke und Masse der polaren Eiskappen durch die Ergebnisse der GOCE-Mission verbessert werden. Zu diesem Zweck umkreist der 1100 Kilogramm schwere, mit einem Ionenantrieb ausgestattete Satellit die Erde in einer extrem Erdnahen Umlaufbahn, seine Flughöhe beträgt lediglich 260 Kilometer. Seine Fluggeschwindigkeit beträgt 28.000 Kilometer in der Stunde. Die geringe Flughöhe von GOCE stellt eine besondere technische Herausforderung für die ESA dar, denn in dieser Höhe trifft der Satellit auf eine große Menge Restatmosphäre, die ihn beständig dazu zwingt, seine Flugbahn durch seinen Ionenantrieb selbst zu korrigieren, um die Genauigkeit der Messungen aufrecht zu erhalten.

[bearbeiten] Führungen durch das ESOC

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt Marketing GmbH organisiert regelmäßig Führungen durch die ESOC-Einrichtungen in Darmstadt. Es werden Führungen für Gruppen und Einzelpersonen angeboten, die sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch oder in anderen Sprachen geleitet werden. Eine vorherige Absprache ist dabei erforderlich. Die Führungen beinhalten einen Besuch der ESOC-Kontrolleinrichtungen sowie eine 10-minütige Film-Präsentation. Bei den Gruppenführungen ist die Teilnehmeranzahl auf 25 Personen begrenzt und die Teilnehmer dürfen nicht jünger als zehn Jahre sein. Das ESOC weist hinsichtlich der Gruppenführungen außerdem darauf hin, dass fünf Arbeitstage vor der Führung eine Namensliste aller Teilnehmer, in Spalten geordnet, benötigt wird.

[bearbeiten] Kontaktdaten

Wissenschaftsstadt Darmstadt Marketing GmbH
Im Carree 1
64283 Darmstadt
Tel.: 0 61 51 / 13 45 16
64283 Darmstadt
www.darmstadt.de

[bearbeiten] Adresse

Robert-Bosch-Straße 5, 64293 Darmstadt

Kartenansicht


[bearbeiten] Links

www.esa.de Seite der Europäischen Weltraumorganisation (ESA)

Neue Informationen hinzufügen: Klicken Sie hier!
Link zu dieser Seite setzen: Klicken Sie hier!
Partner von Rhein-Main-Wiki:
  • Frankfurter Neue Presse
  • Rhein-Main.Net
  • Societätsverlag