Institut für Stadtgeschichte

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Das Institut für Stadtgeschichte, das frühe Stadtarchiv, ist eines der bedeutendsten deutschen Kommunalarchive.

Es sammelt, erschließt und vermittelt Schrift- und Bildquellen zur Frankfurter Stadtgeschichte. Seine Bestände reichen vom 9. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Zusammen mit dem Archäologischen Museum ist es im Karmeliterklosters in der Frankfurter Innenstadt beheimatet.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Geschichte

[bearbeiten] Vorgeschichte

Die älteste erhaltene Urkunde des Instituts für Stadtgeschichte, die aus Frankfurt selbst stammt, wurde am 2. Dezember 882 von dem karolingischen Herrscher Karl III. ausgestellt. Wie nahezu alle Schriftzeugnisse aus der Zeit vor Anbeginn städtischer Selbstverwaltung hat sie ihren Ursprung in den Archiven des bereits 852 unter Ludwig II. gegründeten Salvator-, später Bartholomäusstifts. Die Stadt Frankfurt als solche ist in dieser Zeit schwer fassbar, archäologisch nachgewiesenen ist die Kaiserpfalz und die Salvatorkirche, dem Vorgänger des Frankfurter Kaiserdoms an fast gleicher Stelle.

Nachgewiesen ist, dass bereits in karolingischer Zeit Dokumentationssysteme über Rechtsgeschäfte erstellt wurden, wie beispielweise der Lorscher Codex belegt.

In einer Urkunde vom 15. August 1219 schenkte der Stauferkönig Friedrich II. der Stadt ein Grundstück zum Bau der Leonhardskirche. Hierin wird erstmals die Stadtgemeinde in ihrer Gesamtheit erwähnt und unter kaiserlichen Schutz gestellt. Dies war das erste Privileg der Stadt, die bis dato der kaiserlichen Vogtei mit zwei ab 1194 nachweisbaren Vögten unterstand. Mit der Aufhebung der Vogtei durch Friedrich II. 1220 ging diese Aufgabe an den kaiserlichen Schultheiß über. Zeitgleich steigt die Zahl der Überlieferungen. Es ist denkbar, dass die Vogtei ein eigenes Archiv führte, welches nie mit dem städtischen Archiv vereinigt wurde.

Mit dem Entstehen der städtischen Selbstverwaltung in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, entstand auch ein städtisches Archiv. 1266 gibt es Dokumente, in denen Ratsherren als Vertreter der Bürgerschaft erwähnt werden. 1311 wird zum ersten Mal ein Bürgermeister gewählt. Damit einhergehend konstituierte sich eine Verwaltung. Die Verwaltung der städtischen Urkunden, vor allem der für die Stellung der Stadt wichtigen Privilegien, lag zu dieser Zeit in den Händen des Stadtschreibers.

Ab Beginn des 14. Jahrhunderts wuchs der Bestand der chronologisch nach Jahrgängen geführten Amtsbücher sprunghaft an, was schon durch die reiche Überlieferung dieser Zeit gesichert ist. Zu den bedeutendsten erhaltenen Zeugnissen jener Jahre zählen die ab 1311 geführten Bürgerbücher, in denen die Neuaufnahmen in die Bürgerschaft erfasst wurden. Ab Mitte desselben Jahrhunderts kamen dann auch Sachakten für auswärtige Korrespondenz hinzu. Noch vor Bezug des neuen Rathauses am Römerberg wurde das Archiv 1395 im Leonhardsturm am Mainufer untergebracht. Man vermutet, dass es sich bei dieser Maßnahme um eine Notlösung aus Platzmangel gehandelt hat. Der Leonhardsturm lag vor den Stadtmauern und war somit ein mögliches Angriffsziel für herannahende Feinde.

[bearbeiten] Haus Frauenrode

1408 war der Umzug in das neue Rathaus abgeschlossen. 1424 erwar die Stadt das westlich des Goldenen Schwans gelegene Haus Frauenrode. 1436 und 1437 wurde hier unter Stadtbaumeister Eberhard Friedberger der Archivturm gebaut, der bis in die Moderne den Kern des Ratsarchivs bildete. Der Turm war mit drei übereinander angeordneten, feuersicheren Gewölben versehen. Das hieraus abgeleitete Ordnungssystem findet sich heute noch auf zahlreichen älteren Archivalien des Instituts.

1614 bekam das stetig anwachsende Archiv ein eignen Verwalter. Der Stadtschreiber wurde damit seines Amtes als Archivar entbunden. Gelehrte Juristen wurden nun für die Verwaltung des Archivs eingesetzt. Achilles Augustus von Lersner verfasste Anfang des 18. Jahrhunderts mithilfe der urkundlicher Quellen unter dem Titel „Der weit-berühmten Freyen Reichs-, Wahl- und Handels-Stadt Franckfurt am Mayn Chronica“ eine Chronik der Stadt.

1803 brachte die, mit dem Reichsdeputationshauptschluss erfolgte Säkularisierung, aus archivalischer Sicht große Probleme. Die umfangreichen, nun in städtischen Besitz gekommenen Bestände, des teils fast tausend Jahre alten Stiftsarchivs wurden an verschiedene Orte ausgelagert. So zum Beispiel in die Räume des Dominikaner- und des Karmeliterklosters, in den Eschenheimer Turm, den Rententurm oder auch die Stadtwaage neben dem Leinwandhaus am Weckmarkt. Hinzu kamen die Frankfurt betreffenden Akten des Reichskammergerichts.

[bearbeiten] 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg

Das 19. Jahrhundert Bewegung in die seit Generationen unangetasteten Strukturen des Stadtarchivs. Nach der langen Zeit des Sammels und Indizierens, setzte nun eine Ära der Erforschung und Erschließung der umfänglichen Überlieferungen ein. Die von Johann Georg Battonn und Anton Kirchner verfassten Standardwerke zur Geschichte und Topographie der Stadt bildeten die Grundsteine für die moderne Frankfurter Geschichtsschreibung.

Johann Friedrich Böhmer, der ab 1825 Stadtarchivar war, veröffentlichte 1836 den „Codex diplomaticus Moeno-Francofurt“ der in seiner Auflage von 1901 noch heute maßgeblich ist. Georg Ludwig Kriegk, Stadtarchivar von 1863 bis 1875, veröffentlichte auf Basis archivarischer Quellen, zahlreiche populärwissenschaftliche Aufsatzsammlungen, die die Bedeutung des Stadtarchivs für die breite Masse erschlossen.

1874 wurde die spätmittelalterliche Stadtwaage am Weckmarkt abgerissen. An dieser Stelle wurd bis 1877 ein neugotisches Archivgebäude. Es verfügte über 950 Quadratmetern Archivfläche und knapp fünf Kilometer Regale. Hier vereinigten sich bis 1904 wieder die zwei seit 1866 räumlich getrennten Teile des Stadtarchivs. Darunter befanden sich die wertvollen Altbestände des Stadtarchivs I aus Haus Frauenrode. 1876 bis 1887 leitete Hermann Grotefend das Stadtarchiv. Von 1888 bis 1922 amtierte Rudolf Jung, der bis heute als der bedeutendste Stadtarchivar Frankfurts gilt. Die von ihm eingeführte Systematik hat bis heute Gültigkeit. Ende des 19. Jahrhunderts wuchs das Archiv durch die Übernahme lokaler Archive zahlreicher eingemeindeter Vororte sowie der Akten des Oberappellationsgerichts der vier Freien Städte des Deutschen Bundes sprunghaft an.

1932 wurde damit begonnen, auch zeitgeschichtliches Dokumentationsmaterial zu sammeln. Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung folgte 1933 eine Beratungsstelle für Familienforschung und Ahnennachweis. Aufgrund erneuter Platzprobleme wurden Teile des Archivs in das Haus Domplatz 8 ausgelagert.

Das Stadtarchiv war neben dem Historischen Archiv der Stadt Köln das größte seiner Art in Deutschland. Der Bestand umfasste über zehn Regalkilometer, darunter 100.000 Einzelurkunden.

Spätestens ab 1942 war offenkundig, dass auch Frankfurt Ziel größerer Luftangriffen werden würde. Aus bislang ungeklärten Gründen wartete man mit der Auslagerung insbesondere der wertvollen und unersetzlichen Altbeständ. Der Bombenangriff vom 29. Januar 1944 zerstörte das Stadtarchiv am Weckmarkt fast vollständig. Was noch nicht ausgelagert worden war, wurde bei einem erneuten Angriff am 12. September 1944 ebenfalls vernichtet. Insgesamt wurden dabei vermutlich 6,5 - 7 Regalkilometer zerstört. So verbrannten bespielsweise die Bedebücher des Mittelalters, die Rückschlüsse auf die soziale Struktur der Stadt gaben. Und Rechenbücher, aus denen alle städtischen Ausgaben über Jahrhunderte nachvollziehbar waren.

Die großen Bombenangriffe im März 1944, die die gesamte Frankfurter Altstadt zerstörten, beschädigten erstaunlicherweise keines der Archiv-Lager.

[bearbeiten] Nachkriegszeit bis zur Gegenwart

Die gesicherten Bestände befanden sich nach dem Krieg in Luftschutzbunkern in Praunheim und im Haus Domstraße 9. Ab Mai 1947 wurden sie notdürftig verwaltet und fristeten rund 15 Jahre ein unbeachtetes Dasein. Durch die Zerstörung und Auslagerungen war die archivalische Ordnung völlig über den Haufen geworfen, und ein vernünftiges Arbeiten kaum möglich. 1959 erhielt das Stadtarchiv wieder eigene Räume im Karmeliterkloster, was damals noch eine provisorisch gesicherte Kriegsruine war.

1972 wurde im Rahmen des U-Bahn-Baus vor dem Karmeliterklosters ein dreigeschossiges Tiefmagazin mit 1.700 Quadratmetern Fläche und 9,8 Regalkilometern errichtet. Dort wird der Kern der Sammlung aufbewahrt. Noch immer existieren Außenmagazine. Bereits Mitte der 1980er Jahre maß der der Aktenbestand 16 Regalkilometer. Im Jahr 2003 waren es über 30 Regalkilometer.

In diesen Jahren des Wiederaufbaus leistete Wolfgang Klötzer bedeutende Arbeit. Schon seit 1960 war er als stellvertretender Leiter am Institut tätig und übernahm 1983 bsi 1990 dessen Führung. Er publizierte zahlreiche Schriften zur Frankfurter Stadtgeschichte - darunter zahlreiche populärwissenschaftliche Werke. Darunter auch die zweibändige Frankfurter Biographie (1994–1996), die als erste quellenkritische Sammlung von Biographien Frankfurter Persönlichkeiten aller Lebensbereiche und Zeitalter bezeichnet wird.

Archiv-Leiter Dieter Rebentisch, bewirkte eine in den 1990er Jahren doe Erneuerung der Strukturen des Stadtarchivs. 1992 wurde die Einrichtung in das Institut für Stadtgeschichte. Prämisse war, das bislang ausschließlich für Fachpublikum zugängliche Amt in ein modernes Dienstleistungszentrum umzuwandeln. 1999 eröffnete man deshalb einen allgemein zugänglichen Lese-, Ausstellungs- und Vortragssaal im ehemaligen Kloster-Dormitorium des Klosters. Die Öffnungszeiten, die sich auch auf die Wochenenden erstrecken, sind selbst im nationalen Vergleich großzügig gefasst. Unter Rebentisch wurden Brandakten, aus insgesamt 102 Wehrmachtskisten, gesichtet und so noch rund 12 Regalmeter bereits verloren geglaubter Bestände zurückgewonnen.

Seit Juni 2004 steht mit Evelyn Brockhoff, bereits seit 1996 stellvertretende Leiterin, erstmals eine Frau an der Spitze des Instituts für Stadtgeschichte. Wichtigste Neuerungen der letzten Jahre ist die allmähliche Erschließung der Bestände zu einer allgemein zugänglichen Internet-Archivdatenbank.

[bearbeiten] Bestände

Die Bestände des Stadtarchivs bestehen im Wesentlichen in drei große Teile:

  • Das Städtische Archiv bis 1868 (Akten der Reichsstadt Frankfurt vom Mittelalter bis 1806 sowie kirchliche Archive bis 1802. Unterlagen des Fürstentums/Großherzogtums Frankfurt zwischen 1806 und 1816 sowie der Freien Stadt Frankfurt bis zur endgültigen Integration in den preußischen Staat im Jahr 1868).
  • Das Städtische Archiv ab 1868 (Akten der Gemeindeorgane und den Ämterregistraturen ab 1868 sowie übernommene Archive nach 1868 eingemeindeter Vororte.
  • Die neueren Sammlungen (Seit 1932 geführte zeitgeschichtliche Sammlung, die Plakatsammlung, die Kartensammlung, Nachlässe, Adels- und Familienarchive, die 40.000 Bilder umfassende Sammlung der audiovisuellen Medien, die sich aus zahllosen Fotografien, Dias, Filmen und Tonbandaufzeichnungen zusammensetzt. Der umfangreiche Bildbestand ist aufgeteilt in die Sektionen:
  • Frankfurt vor der Zerstörung 1944
  • Die zerstörte Stadt 1943/44-1950 sowie
  • Wiederaufbau und Entwicklung seit 1950.

[bearbeiten] Erhaltene Archivalien

Zu den bedeutenden erhaltenen Altbeständen, gehören die Privilegien, allen voran die Goldene Bulle von 1356, die Gesetzbücher, Edikte sowie Ratsverordnungen seit dem Mittelalter überliefert sind. Erhalten sind auch die Bürgermeisterbücher, Rats- und Senatsprotokolle sowie die Bürgerbücher. Auch von den seit dem 17. Jahrhundert auftretenden bürgerlichen Vertretungen im Römer haben sich zahlreiche Zeugnisse erhalten.

Als von großen Stellenwert sind die Akten der Stiftsarchive, vor allem des Bartholomäusstifts, das zeitweise zu den bedeutendsten seiner Art im gesamten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Darunter sind Einzelstücke wie etwa die von Stadtbaumeister Madern Gerthener Anfang des 15. Jahrhunderts auf Pergament gezeichneten Originalrisse für den Domturm. Umfassend sind auch die Akten über die Aktivitäten der Frankfurter Strafjustiz seit dem 16. Jahrhundert (die sogenannten Criminalia), die alleine 128 Regalmeter des Archivs einnehmen.

[bearbeiten] Die Wandgemälde von Jörg Ratgeb im Karmeliterkloster

Die Wandgemälde Ratgebs gehören zu den bedeutendsten vorbarocken Wandmalereien nördlich der Alpen. Die Darstellungen der Ordens- und Heilsgeschichte, die in den Jahren 1514 bis 1521 ausgeführt wurden, stellen für Touristen aus dem In- und Ausland, aber auch für Frankfurter, ein kunsthistorisches Highlight dar. Waren die ikonographischen Programme für die Zeitgenossen eine leicht verständliche Lektüre, so haben heutige, weniger „bibelfeste“ Betrachter oft Schwierigkeiten damit, die dargestellten Szenen zu entschlüsseln.

Da immer wieder der Wunsch an das Institut für Stadtgeschichte heran getragen wurde, die Bilder für den Betrachter näher zu erklären, ist nun eine Dauerpräsentation entwickelt worden, die diesem Bedürfnis Rechnung tragen möchte. Auf insgesamt 21 Informationspulten und mehreren Tafeln werden das gesamte Bildprogramm der Malereien im Refektorium und im Kreuzgang sowie die Geschichte des Karmeliterklosters vorgestellt.


[bearbeiten] Adresse/Kontakt/Öffnungszeiten

Institut für Stadtgeschichte (Karmeliterkloster)
Münzgasse 9
60311 Frankfurt
Tel.: 069-212-37 914 oder 069-212-38 425
Fax: 069-212-30 753


[bearbeiten] Öffnungszeiten

Lesesaal: Mo-Fr 8.30 bis 17 Uhr
Aushebungszeiten für Archivalien: Mo - Fr 9, 11, 13 und 15 Uhr
Ausstellungen: Montag-Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag 11 bis 18 Uhr .


[bearbeiten] Link

[bearbeiten] Lage

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