Irrenschloss

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Das «Irrenschloss» am Affenstein 1864. Quelle: www.frankfurt-nordend.de
Das «Irrenschloss» am Affenstein 1864. Quelle: www.frankfurt-nordend.de
Die städtische «Anstalt für Irre und Epileptische» wurde im Volksmund Irrenschloss genannt und war im Frankfurter Westend angesiedelt. Die, für die damaligen Verhältnisse, moderne psychiatrische Anstalt wurde 1859 bis 1864 „draußen am Rande der Stadt“ auf dem Gelände des Affensteiner Feldes im damals noch nahezu unbebauten Westend errichtet. Heinrich Hoffmann war von 1864 bis 1888 Direktor dieser Anstalt. Unter Hoffmanns Nachfolger Emil Sioli entdeckte Professor Alois Alzheimer hier 1901 die Alzheimersche Krankheit (Morbus Alzheimer).

[bearbeiten] Die Geschichte

Die Zustände in der alten, in der Innenstadt gelegenen, «Anstalt für Irre und Epileptische» schockierten Heinrich Hoffmann derart, dass er 1851 den Plan fasst, einen Neubau ins Leben zu rufen. Mit Hilfe der von den Bürgern gesammelten Gelder, einer «Anleihe von 100.000 Gulden zu höchst vorteilhaften Bedingungen« von dem Pflegamt des Hospitals zum Heiligen Geist und eines «Legats von 100.000 Gulden» von Ludwig Friedrich Wilhelm Freiherr von Wiesenhütten konnte im Sommer 1859 mit dem Bau der neuen Anstalt auf dem «Affensteiner (eigentlich Ave (Maria) Stein) Feld» begonnen werden. Auf Anraten von Heinrich Hoffmann verband Freiherr von Wiesenhütten seine Spende mit der Bedingung, dass der Neubau innerhalb eines Jahres nach seinem Ableben begonnen werden müsse. Das noch fehlende Geld wurde aus städtischen Mitteln bereitgestellt. 30 Morgen Land für Gebäude, Gärten, Gemüsezucht und Feldbau wurden am Frankfurter Affenstein gekauft. Der Architekt Oskar Pichler, dessen Frau an einem Nervenleiden erkrankt war, erhielt den Auftrag die Anstalt zu bauen. Mit ihm unternimmt Hoffmann 1856 zahlreiche „Belehrungsreisen“ zu anderen Anstalten in Deutschland, Österreich, Holland, Belgien, Frankreich und England.

Da die „Hammelwiese am Affenstein“ damals noch nicht an die städtische Wasser-Versorgung angeschlossen war, wurde zunächst ein Brunnen gegraben und von diesem die Grundmauerlinie der weiteren Bauteile abgesteckt. Bei der Planung des Inneren der Anstalt hatte Hoffmann freie Hand. Der äußere Baustil wurde durch die Stadtverwaltung festgelegt, die das Gebäude im «Deutschen Stil» (Gotik) gestaltet sehen wollte. Die Frankfurter Bevölkerung quittierte dies mit dem Namen «Irrenschloss». Es wurden moderne Wassertoiletten eingebaut. Es wurden Höfe für die unterschiedlichen Bereiche, jeweils nach Geschlecht und Krankheitsbild unterschieden gebaut. Revolutionär waren Neuheiten wie Fenster ohne Gitter und ungetrennte Korridore.

Hoffmanns „Irrenschloss“ auf einer Ansicht des Architekten Oskar Pichler. Quelle: Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin
Hoffmanns „Irrenschloss“ auf einer Ansicht des Architekten Oskar Pichler. Quelle: Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin

Am 23. Mai 1864 war die neue «Anstalt für Irre und Epileptische» fertig gestellt. Heinrich Hoffmann und ein Teil der «Wärter und Wärterinnen» wohnten in dieser neuen Anstalt. Die Gebäude der alten Anstalt wurden an die Stadt abgetreten und an dieser Stelle die Elisabethenschule, eine höhere Töchterschule, errichtet. Die Kastenhospitalgasse hieß nun Goethestraße und ist die jetzige Börsenstraße.

Als das Gebäude den technischen Anforderungen nicht mehr genügte und auch die Kliniken in Köppern und Weilmünster nicht mehr ausreichten, wurde es 1928 abgerissen und die Städtische und Universitätsklinik für Gemüts- und Nervenkranke, wie sie damals hieß, nach Niederrad in die 1914 gegründete Stiftungsuniversität verlegt. Auf dem freigewordenen Gelände wurde der Verwaltungsbau der I.G. Farbenindustrie AG, das I.G.-Farben-Haus errichtet, das nach 1945 zum Hauptquartier der US-Streitkräfte wurde und nach dem Abzug der Amerikaner an die [[Johann Wolfgang von Goethe-Universität] übergeben wurde.

Im Zuge der Bauarbeiten für den neuen Uni-Campus-Westend wurde im Mai 2008 im nördlichen Teil an der Grenze zum Affensteiner Weg (heute Lübecker Straße) ein turmartiges Bauwerk freigelegt, welches im Plan des Architekten Oskar Pichler als Eisgrube bezeichnet ist. Das Bauwerk wurde also von der städtischen Irrenanstalt bis zu deren Abriss genutzt, was Anstalts-Geschirrscherben belegen, die im Inneren des Turm verborgen lagen. Ob der Eiskeller, wie von der städtischen Denkmalpflege vermutet, auf einem Bauwerk des 12./13. Jahrhunderts errichtet wurde, ist momentan umstritten; weitere Untersuchungen stehen deshalb noch aus.

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