Naxos-Gelände Frankfurt

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Die Frankfurter Naxoshalle im März 2010. Foto: Theater Willy Praml
Die Frankfurter Naxoshalle im März 2010. Foto: Theater Willy Praml

Das Naxos-Gelände im Frankfurter Stadtteil Ostend ist ein ehemaliges Fabrikgelände zwischen der Wittelsbacher Allee und dem Sandweg unweit des Frankfurter Zoos. Bekannt ist das Gelände insbesondere wegen der hier stehenden Naxoshalle, einer denkmalgeschützen Industriehalle, die seit dem Jahr 2000 von dem Theater Willy Praml als Bühne genutzt wird. Der Name des Geländes und der Halle verweist auf die Naxos-Union, einer auf die Herstellung von Schleifmaschinen spezialisierten Firma, die hier lange ansässig war.

Seit dem Wegzug der Naxos-Union im Jahr 1995 lag das Fabrikgelände brach. Im Jahr 2000 begann das freie Theater Willy Praml, die Naxoshalle als Bühne zu nutzen. Der Aufenthalt der Schauspieler auf dem Gelände war längere Zeit umstritten, erst seit dem Jahr 2008 existiert ein Mietvertrag, der den Aufenthalt des Theaters in der Halle legalisiert. Ein zweites Theater, das in einem Quergebäude der Naxoshalle auftritt, ist das teAtrum VII.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Bauvorhaben auf dem Naxos-Gelände

Grafik der geplanten Bauvorhaben auf dem Naxos-Gelände. Bildquelle: FNP
Grafik der geplanten Bauvorhaben auf dem Naxos-Gelände. Bildquelle: FNP

Nach einem Bericht der Zeitung Frankfurter Neue Presse vom 18. März 2010 sollen die ehemaligen Fabrikgebäude der Naxos-Union – mit Ausnahme der denkmalgeschützten Naxoshalle – abgerissen werden. Die Halle soll saniert werden und weiterhin dem Theater Willy Praml als Bühne dienen. Die Fabriggebäude entlang der Wingertstraße sollen durch sieben Wohnblocks in Passivbauweise ersetzt werden. Der städtische Wohnungskonzern AGB Frankfurt Holding will hier sowohl Eigentums- wie auch Mitwohnungen errichten. Weitere sechs Parzellen sollen für genossenschaftliches Wohnen erschlossen werden. Das frühere Kesselhaus soll in ein Café oder Restaurant umgewandelt werden (Stand: März 2010).


Voraussichtlich im Mai 2010 wird mit dem Abriss der zwischen Wittelsbacherallee und Wingertstraße liegenden ehemaligen Fabrikgebäude begonnen. Den Spielbetrieb des Theaters Willy Praml beeinträchtigt der Umbau nicht.

In knapp drei Monaten möchte das Hochbauamt in der Naxoshalle die ärgsten Mängel beseitigen und die Verkehrssicherheit herstellen. Es regnet durchs Dach, und im Winter war es in der denkmalgeschützten Fabrikhalle bitterkalt.

Die Oberlichter im Dach sollen ebenso erneuert werden wie die gesamte Elektrik. Auch die dann modernisierten sanitären Anlagen, sollen dann behindertengerecht ausgebaut sein.

1,3 Millionen Euro hat das Hochbauamt für die Modernisierungmaßnahmen veranschlagt, die die Halle langfristig erhalten sollen.

Auch rund um die Halle geschieht etwas. Der größte Teil der 10000 bebaubaren Quadratmeter des Fabrikgeländes ist der städtischen ABG Holding zugeschlagen worden. Entlang der Wingertstraße und an der Ecke Wittelsbacherallee möchte die Wohnungsbaugesellschaft sechsgeschossige Neubauten hochziehen. Etwa 120 Miet- und Eigentumswohnungen sind geplant.

Ca. 3000 Quadratmeter sind für sechs kleinere Genossenschaften reserviert. Mehrere dieser an gemeinschaftlichem Wohnen interessierten Kooperativen wurden eigens für den Neubau gegründet. Vergangenen Donnerstag wurde die letzte Parzelle an die Genossenschaft "Familiensinn" vergeben. Eine Jury mit Vertretern der Stadt, den drei großen Römer-Fraktionen und Architekten hatte den Zuschlag erteilt. Die restlichen fünf Baufelder waren im Dezember 2009 vergeben worden.

Voraussichtlich im Mai 2010 sollen die alten Gebäude an der Wingertstraße und der Wittelsbacherallee abgerissen werden. Die ABG rechnet für das 50-Millionen-Euro-Projekt mit einer Bauzeit von anderthalb Jahren. Übrig bleibt außer der Halle nur das Kesselhaus, das unter Denkmalschutz steht. Dort soll ein Café entstehen.

Die Sanierung der Naxoshalle hat noch nicht mal richtig begonnen, da gibt es schon Gerüchte, dass in dem Gebäude auch Einzelhandelsflächen möglich sind. Einzelhandelsflächen in der Naxoshalle lehnt der Ortbeirat 4 (Bornheim, Ostend) aber ab. Vielmehr soll diese als Spielstätte des Theaters Willi Praml erhalten bleiben, heißt es in einem gemeinsamen Papier von SPD und Grünen, das mehrheitlich verabschiedet wurde. Nur die Christdemokraten sprachen sich gegen ein solches „Denkverbot“ für städtische Ämter aus, wie Thomas Dürbeck den Antrag bezeichnete. Im Gespräch war die Unterbringung eines Supermarktes in der Halle.

[bearbeiten] Die Naxos-Union

Die Naxos-Union wurde 1871 gegründet, sie war einer der ersten Hersteller von Schleifmaschinen. Die Gründung der Firma ging auf Julius Pfungst zurück, der zuvor in einem Vertrag das alleinige Verkaufsrecht von echtem, auf der griechischen Kykladen-Insel Naxos abgebauten Schmirgel erwarb. Dabei handelt es sich um ein Konglomerat aus Eisenerz und Aluminiumoxid, das für die Herstellung von Schleifmaschinen im 19. Jahrhundert notwendig war, heute jedoch keine große Bedeutung mehr hat. Die Bezeichnung „Schmirgelpapier” ist jedoch heute noch geläufig. Naxos ist einer der wenigen Orte, wo dieser Schmirgel vorkommt.

Julius Pfungst erhielt 1873 die Genehmigung, auf dem Gelände bei der Wittelsbacher Allee in Frankfurt ein Fabrikgebäude nebst Dampfmaschine und Wohnhaus zu errichten. Ende der 1870er Jahre begann die Naxos-Union mit der Konstruktion und dem Bau von industriellen Schleifmaschinen, 1880 betrug die Jahresproduktion 250 Maschinen, 60 bis 70 Arbeiter verarbeiteten wöchentlich etwa 150 Zentner Rohschmirgel. Neben dem Schleifmittelwerk im Frankfurter Ostend entstand auch eine Maschinenfabrik im Stadtteil Fechenheim.

Im Jahr 1918 wurde die Fabrik in die Dr. Arthur Pfungst Stiftung umgewandelt und entwickelte sich zur Weltfirma. In den 1980er Jahren wurde die Naxos-Union schließlich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und an die Rothenberger-Gruppe in Frankfurt verkauft. Aufgrund der Zugehörigkeit zur Rothenberger-Gruppe zog die Naxos-Union 1995 nach Langen um, wo die ebenfalls zur Rothenberger-Gruppe gehörende PITTLER Maschinenfabrik ansässig ist. Das Fabrikgelände im Frankfurter Ostend wurde deshalb aufgegeben.


[bearbeiten] Wohnprojekte auf dem Naxos-Gelände

Genossenschaften stellten am 29. April ihre Wohnprojekte auf dem ehemaligen Fabrikareal vor. Sechs Baufelder stehen zur Verfügung. Auf dem Gelände der früheren Naxos-Werke verpachtet die Stadt sechs Grundstücke an Genossenschaften, die dort bauen. Die restlichen Flächen entwickelt die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG.

Mit dem Slogan „eine neue Wohnform hält Einzug“ wirbt das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen. Einige Initiativen des Netzwerks haben bereits gebaut: In Preungesheim, im Gallus und in Bornheim.

In der Genossenschaft Baumaßschneider haben sich Familien aus Bornheim, dem Ostend und Nordend zusammengeschlossen.

Bei Fundament engagierten sich 50- bis 70-Jährige.

Zu einem weiteren Projekt haben sich die Senioren von Wohnen in Rente (W.i.R) mit Lila Luftschloss zusammen getan, die bislang zwei Häuser für Frauen gebaut haben. Und da ist die Wohnbaugenossenschaft Frankfurt, die bereits 600 Wohnungen in ganz Frankfurt besitzt.

Außergewöhnlich ist das Musikerhaus Naxos mit Kita der aus Berlin stammenden Bürgerstadt AG. Jede Wohnung erhält einen schallisolierten Raum, in dem Musiker Tag und Nacht üben können, ohne die Nachbarn zu stören.

Da die Stadt von allen Genossenschaften eine soziale Komponente verlangt, zieht in die beiden unteren der sechs Stockwerke eine Kita ein. Auch sie hat einen schallisolierten Raum, den abends Gruppen nutzen können.

Auf kinderreiche Familien setzt auch die Wohnbaugenossenschaft und vermietet die unteren beiden Stockwerke an eine Kinderkrippe. Wie in den anderen Häusern, ist die Größe der Wohnungen variabel. Familien wachsen, sie schrumpfen auch wieder, wenn die Kinder ausziehen. Entsprechend könnten Räume mal der einen, mal der anderen Wohnung zugeschlagen werden – oder zu einer neuen, kleinen Wohnung für einen Studenten werden. Gleichzeitig sind Einheiten im vierten und fünften Stock zu einer großen Maisonette-Wohnung zu kombinieren. Anders als bei den andern Genossenschaften, die sich extra für ihr Naxos-Bauprojekt zusammenschlossen, sind diese Wohnungen noch nicht vergeben.

Auch die Genossenschaft Schnelle Kelle wollte eine Kita im Haus einrichten. Im Gespräch ist ein Behindertenverein, der die Räume nutzen möchte. Zudem ist ein Nachbarschaftscafé geplant.

Die geforderte Passivhausweise will man weiter entwickeln. Statt mit Beton und Styropor soll die Fassade aus Ziegeln gebaut werden. Die Baumaßschneider wollen nicht wie gefordert ein Wohnstockwerk, sondern ihr ganzes Haus behindertengerecht gestalten. Neben Wohnraum für Familien wurde hier so geplant, dass Senioren möglichst lange in ihrer Wohnung leben können. Die Größe variiert von 80 bis 110 Quadratmeter.

Eine gemeinsame Dachterrasse soll das Wirgefühl stärken. Ein Drittel des Hauses, das die Senioren von Fundament planen, besteht aus gemeinsam genutzten Räumen. Das flexible System ermöglicht es, aus den jetzt elf Wohnungen auch mal eine kleine Wohnung, etwa für Pflegekräfte, herauszulösen.

Eine Frauenberatungsstelle entsteht im Erdgeschoss des Hauses von W.i.R. und Lila Luftschloss. Gemeinschaft wird groß geschrieben. Mit 50 Quadratmetern sind die Einheiten eher klein. Kritik am Juryverfahren äußerte Birgit Kasper vom Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen.

[bearbeiten] Lage des Naxos-Geländes in Frankfurt

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